Videoessay „Isolierte Räume“
Videoessay „Isolierte Räume“
Theaterproduktion „Hotel Arabia“
Für die Theaterproduktion „Hotel Arabia“ (www.hotelarabia.de) fand im Juli 2008 eine Recherchereise nach Dubai und Abu Dhabi statt. Konzentriert auf die Frage nach nichtkommerzieller Kunst in den Emiraten, deren Kulturleben den Fokus auf monumentale Projekte wie den Louvre Abu Dhabi auf Saadiyat Island und den mittlerweile durch die Finanzkrise gescheiterten Opernbau in Dubai legt, entstanden Videointerviews mit Galeristen, Malern, Performancekünstlern, Sängerinnen und Arbeitern.
Aufgrund der Begegnungen setzte meine Beschäftigung mit dem Phänomen des „Transits“ ein – die Kulturschaffenden mit überwiegend syrischen, lybischen, indischen oder englischem Hintergrund bedenken immer schon das Verlassen des Landes mit, sie befinden sich in dem paradoxen Zustand der „erstarrten Bewegung“ (Holert / Terkessidis, S. 247) der, wenngleich sie körperlich über lange Zeiträume im Land anwesend sind, bereits ihre Abwesenheit vorwegnimmt.
Auszüge aus den entstandenen Videointerviews verbindet die Aufführung „Hotel Arabia“ mit fiktionalen Erzählungen über zwei Journalisten, deren Arbeitsvorhaben in Dubai scheitert, die ins Straucheln geraten und mit Orientierungsverlust und einer Autopanne im Wüstensand steckenbleiben.
Definition von Räumen: Videoessay „Isolierte Räume“
Die Abgrenzung der Räume ist in Dubai und Abu Dhabi in dem Verhältnis zwischen Touristen und Migranten besonders augenfällig. Der zum Hotel gehörige, abgegrenzte Strand, die Abholung der Gäste direkt am Eingang: Die touristischen Orte erwecken den Eindruck, als „könne man hier auch dann in angenehmer Weise seine Zeit verbringen, wenn draußen Krieg und Zerstörung herrschen“(Holert / Terkessidis, S. 154). Migrantische Räume wie Arbeiterlager hingegen zeichnen sich durch unauffällige, nahezu unsichtbare Architekturen aus. Der Videoessay „Isolierte Räume“ geht diesem Phänomen auf den Grund und untersucht unter Einbeziehung von Tourismuswerbeclips aus dem Internet und eigenem Videomaterial das Verhältnis zwischen der Welt der Touristen und der Migranten am Persischen Golf.
Gibt es Künstler in dem muslimischen Staat und konstitutionellen Monarchie, deren Arbeit die beschriebene Definition der Räume temporär aufhebt? Künstler, deren Selbstbeschreibungen eventuell Überschneidungen zu aktivistischen Gruppen aufweisen, ähnlich Reverend Billy oder dem Living Theatre, die von Räumen wie Starbucks oder dem Times Square Besitz ergreifen?
Die Bestimmung der räumlichen Architektur wurde im Dubai der jüngeren Vergangenheit jedoch nicht von Kunstaktionen irritiert, sondern von Kundgebungen der zumeist indischen und pakistanischen Bauarbeiter. Sie verlegten ihre Demonstration gegen hunderte von Arbeitsunfällen und für bessere Löhne kurzerhand in die Lobbys der Luxushotels und an Privatstrände. Die sichtbare und die unsichtbare Welt, aber auch „die unterschiedlichen Formen von Mobilität“, wie Holert und Terkessidis das Szenario beschreiben, prallten zusammen. In dieser Aktion ist die grenzüberschreitende Provokation präsent, die deutlich voneinander getrennte Räume zusammenkommen lässt.
Ausschnitte aus „Isolierte Räume“ sind Bestandteil der Performance „Dinge, die ich auf der Erde traurig finde“ (Aufführungen April 2010).
Gefördert von Schloss Bröllin e.V., dem Fonds Darstellende Künste und einer privaten Kulturstiftung.
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